OSKA – Honeymoon Phase

Am 08.01.2021 feierte die ehemalige Wiener Straßenmusikerin Maria Burger unter ihrem an den Namen ihres Bruders angelehnten Pseudonym Oska ein Debüt in Form einer ersten EP. Diese trägt den Titel Honeymoon Phase, ein passender, auf der anderen Seite vielleicht aber auch etwas euphemistisch anmutender Name.

Never have a problem when we’re close
But when you go and I am all alone

OSKA auf Somebody

Denn Honeymoon Phase, das klingt erstmal nach einer durch und durch romantischen und von Glücksgefühlen nur so übersprudelnden Erfahrung. Und solche Geschichten lassen sich auch auf der EP finden, es muss jedoch etwas die Erwartung an die Perspektive geändert werden. Denn bereits auf dem ersten Song erzählt OSKA von einer verflossenen Liebe, die sich aus einer Freundschaft entwickelt hatte. Den Text dominiert die große Frage, „was wohl gewesen wäre wenn…“ und beschreibt dabei sehr eindrücklich ein Gefühl der Innigkeit.

Dadurch zeichnet sich bereits am Anfang der EP inhaltlich eine deutliche Melancholie ab, welche sich auch in den restlichen Liedern finden lässt. Dabei rutscht OSKA aber keinesfalls in ein durch Negativität geprägtes Stimmungsbild ab. Viel mehr wirkt es wie ein etwas zögerlich entgegenkommender Schritt, ein mutiges und vorsichtiges Vortasten mit der eigenen Fragilität hinein ins Rampenlicht. So hören wir auf der EP von der Erkenntnis zu verkrampft in eine Bindung zu investieren, vom Hinterfragen der eigenen Bedeutung gegenüber einer anderen Person, vom Gefühl des abgesondert und ungesehen Seins und zu guter letzt vom schmerzhaften Zerbrechen einer Beziehung. Alles keine leichte Kost möchte mensch meinen und doch wird das alles so empathisch verpackt, dass es zwar nachdenklich stimmt, uns aber gleichzeitig auf dieser musikalischen Reise fest an die Hand nimmt.

Die Texte sind dabei abwechslungsreich, weder zu verkompliziert verkopft, noch zu vereinfacht. Die Beschreibungen darin sind konkret genug, um sie direkt unter die Haut gehen zu lassen und vage genug um eigenen Interpretationen Spielraum zu lassen. Doch gewinnen die Songs noch an Bedeutung, wenn sich mit den Intensionen von OSKA hinter einzelnen Songs befasst wird. Beispielsweise bekommt das Lied Love You’ve Lost noch ein anderes Gewicht, wenn bedacht wird, dass hierbei die Geschichte der Beziehung und Trennung ihrer Eltern verarbeitet wird.

And I try to keep it all inside
Learned from the start how to hide

OSKA auf Love You’ve Lost

Die Verortung zwischen romantischer Wärme und melancholischer Schwere lässt sich auch schön im Sound der EP wiederfinden. Insgesamt begegnet uns ein klarer, ruhiger Singer-Songwriter-Sound, durch welchen Honeymoon Phase gut auch einfach nebenher gehört werden kann. Das ganze ist geprägt durch den Hauch eine sehr offen emotionale Atmosphäre, die dabei allerdings zumeist einen tragend leichten Charakter hat. Lässt mensch sich nun richtig auf den Klang ein, so beeindruckt schnell, wie viele musikalische Facetten in fünf Songs eingefangen werden können, während gleichzeitig ein charakterisitisches eigenes und das Gesamtwerk überspannendes logisches Soundbild erschaffen wird. Sowohl in der Instrumentierung, als auch den Melodien glänzt die EP durch immer wieder in verschiedene Richtungen lenkende Nuancen. Spätestens als auf Misunderstood Streicher einsetzen bin ich durch die erschaffene Atmosphäre so überwältigt, dass ich mir erstmal im positivsten Sinne eine Träne verdrücken muss.

Don’t tell me it’s because of my childhood
that I feel so misunderstood

Oska auf Misunderstood

So haftet den Indie-Pop-Melancho-Romantik-Balladen von OSKA direkt eine gewisse Originalität an. Besonders gut daran gefällt mir, dass viele Elemente nur sehr ruhig, ja fast zögerlich eingesetzt werden. Dadurch gewinnt der Klang nicht nur an Atmosphäre durch die genau arrangierte Setzung von Akzenten, er transportiert auch eine unfassbare die Texte unterstreichende Intimität.

Honeymoon Phase fängt auf jeden Fall die gewisse Romantik ein, die ich mir vorstelle, wenn ich diesen Titel lese und das sowohl auf musikalischer, als auch inhaltlicher Ebene. Aber das ganze erwächst eben nicht aus einem kitschig pathetisch über Romantik Proklamieren, sondern über die Authentizität und Ehrlichkeit, die sowohl Texte, als auch Musik in sich tragen. Nach dem ersten Hören fühlte sich die EP für mich an wie eine sehr emotionale und lange Umarmung, nach einem Eindruck, der sich erst einmal in stillschweigendem Reflektieren entfalten muss. Und mit jedem neuen Durchlauf des Extended Players sinke ich noch tiefer in Honeymoon Phase ein. Und so kann ich abschließend nur sagen: Lasst euch unbedingt in OSKAs akustische Arme fallen, es lohnt sich!

Quelle des Covers: 2021 OSKA under exclusive license to Nettwerk Music Group Inc.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.